Die Nagelschmiedkrippe aus dem Bärengraben
Karl Mayer
Dambach war das Tal der Nagelschmiede.
Es gab in früherer Zeit ca. 40 Nagelschmieden; um 1900 waren es nur noch 4, und 1954 schloß Meister Josef Brettenthaler als letzter seine Schmiede. Sein Sohn Wilhelm hat noch als letzter gelernter Nagelschmied in hohem Alter beim Garstner Adventmarkt seine Mausköpfl und Scherkennägel geschlagen und die Fertigkeit des Nägelschmiedens an Jüngere weitergegeben.
Das Haus Tichi, das „Häusl im Perngraben No. 1°”, besaß schon 1647 eine „Naglschmidtgerechtigkeit”. Dort war auch die kleine Nagelschmiedkrippe „am Haus”. Sie wurde um die Mitte des 19. Jh. von einem Nagelschmied gebaut und liebevoll gestaltet, ganz in der Art der Garstner Kastenkrippen. Die Nagelschmiede waren frohe, sangesfreudige Menschen, wie die Überlieferung erzählt, und sie waren — neben ihrer handfesten Arbeit beim Schmieden der Nägel — auch kunstfertige Handwerker, die in ihrer Freizeit im Winter ihre „Nagelschmiedkrippen” bauten und mit den Loahmmandelfiguren aus Steyr ausstatteten.
Beschreibung der Nagelschmiedkrippe aus dem Tichi-Haus
Die Nagelschmiedkrippe aus dem Tichi-Haus ist eine der kleineren Kastenkrippen. Steile Wege führen von den seitlichen Bänken der dunklen, mit ein wenig Flimmer bestreuten Felslandschaft herunter zum Stall mit dem Jesuskind, Maria und Josef und — weiter hinten im strohgedeckten Stall — dem Ochs und dem Esel, vorbei an der Stadtkulisse mit roten Dächern, Kuppeln und dem geschlossenen Stadttor. Vor dem Stall knien anbetende Hirten mit ihren Schafen, andere bringen ihre Gaben (Lamperltrager, Hirt mit dem Hasen, der Striezelmann); der Godscheeberer, die Krapfenbäurin und der Kraxentrager kommen von der Anhöhe, dahinter legt der Jäger sein Gewehr auf das Raurakel auf der anderen Seite des Berges an. Unter einem Felsvorsprung liegt der schlafende Hirt bei seinen Schafen, die erstaunt zum Verkündigungsengel aufschauen. Vor dem Stadttor, das von zwei Soldaten bewacht wird, geht der Rauchfangkehrer, eine Bäurin steht zwischen Apfelbaum und Hausbrunnen, und ein Musikant spielt sein Blasinstrument. Seitlich vom Stall tritt der Einsiedler aus seiner Klause, und auf der anderen Seite stehen der Apfelbrocker und die Apfelfrau im Garten unter ihrem Haus. Rechts oben vor dem ländlichen Haus hebt der Jubelkarl die Hände in die Höhe. Und vom Himmel herunter schwebt der Gloriaengel: „Gloria in excelsis Deo”. Der Kripperlzaun umschließt das heilige Geschehen, das mitten in unsere heimische Landschaft hineingestellt ist.
Das Kripperl wurde von Franz Sallinger für die neuerbaute Nagelschmiede von Herrn Tichi erworben. Es lag wohl irgendwann einmal in der Holzhütte, das bezeugt das Loch in der Hinterwand der Krippe, durch das sich eine Maus gebissen hatte. Restauriert wurde die Krippe zur Eröffnung der „Dambacher Nagelschmiede‘“ 1997 von Elfi und Karl Mayer, die auch die spärlich vorhandenen Loahmmandelfiguren ergänzt haben.