Das Dambachtal — einst und jetzt
Franz Sallinger
Die südöstlich von Garsten gelegene Ortschaft Unterdambach liegt an beiden Ufern des Dambachs und grenzt an St. Ulrich, Laussa und Mühlbach. Westlich öffnet sich das 4,5km lange Tal zur Enns. Es wird hufeisenartig umschlossen von ca. 800m hohen "Bergen", dem Damberg, Schwarzberg, Blahberg, Sonnberg, Stürzberg und Buchberg. Im Talschluß werden ca. 1000 ha Waldgebiet forstwirtschaftlich genutzt.
In der Zeit vor 1900 gab es für die Einwohner im wesentlichen drei Erwerbsquellen:
- Die Landwirtschaft: Die frühen kleinen Landwirtschaften gehörten zum Kloster Garsten, später erbaute Häuser waren bis 1848 der Herrschaft Steyr robotpflichtig.
- Die Holz- und Waldwirtschaft: Von 1666 bis 1938 fast zur Gänze im Besitz der Lamberg’schen Herrschaft, heute Bundesforste. Neben den Holzarbeitern gab es auch „Schindelhacker‘ und „Köhler“.
- Das Kleingewerbe: Unter Ausnutzung der Wasserkraft gab es 4 Mühlen, 3 Brettsägen sowie 2 Zainhämmer (mittels Wasserrad betriebene „Schwanzhämmer“‘), die das mit Zillen oder Pferdefuhrwerk aus der Eisenwurzen angelieferte Roheisen in verschieden starke Eisenstäbe, den „Zoan“, streckten.
Rund 40 Dambacher Häuser besaßen eine „Nagelschmiedgerechtigkeit‘. Die verschiedenen handgeschmiedeten Schuh- und Gebrauchsnägel (Mausköpfl, Zwecke, Piffl, Scherken, Spitzköpf, „Kühzähnt“, Eisl-, Plattl- und Hellernägel) deckten nicht nur den heimischen Bedarf, sondern wurden auch über Händler, teils auf dem Wasserweg der Enns und der Donau, bis nach Rußland verkauft.
Für die Bewohner des Dambachtals waren 5 Gasthäuser ein Kommunikationszentrum: Prennertafern (heute Rainer), Bayrnhäusl (Weidmann), Karnerhaus (Hammermeister), Rauhberg und Mauswirt.
Die Zeit um 1900 war für die Nagelschmiede entscheidend. Durch den Aufschwung der Industrie in Steyr (Josef Werndl) und die maschinelle Herstellung der Nägel (Drahtzug) war das Absterben der Kleingewerbe nicht mehr aufzuhalten. Viele Nagelschmiede gingen in die „Werndlfabrik“ nach Steyr. Zur Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls wurde alle Jahre im September der „Nagelschmiedjahrtag“‘ veranstaltet.
Die letzte Nagelschmiede im Dambachtal wurde von Meister Josef Brettenthaler und seinen Söhnen Kilian und Wilhelm bis zum Jahr 1954 betrieben. Mit der Schließung der Brettenthaler-Schmiede war das alte Handwerk, das vielen Generationen einen bescheidenen Lebensunterhalt ermöglichte, erloschen.
Der letzte Nagelschmied Wilhelm Brettenthaler hat einer Gruppe von fünf gelernten Schmieden bereits 1985 das Schmieden der Nägel gelehrt und mit ihnen seine Kunst den Besuchern des Garstner Adventmarkts bis in sein hohes Alter von 92 Jahren (1996) rüstig und frohgemut vorgeführt.
Um den kommenden Generationen dieses alte Handwerk überliefern zu können, wurde nun zur Oberösterreichischen Landesausstellung 1998 unter Anleitung des letzten Meisters seiner Zuft beim Gasthof Hammermeister, wo einst der Zainhammer und eine Nagelschmiede standen, eine Nagelschmiede neu errichtet. Dort soll das alte Handwerk originalgetreu vorgeführt werden. Die Nagelschmiede von Dambach soll Zeitzeuge für künftige Generationen sein.